Kartonstärke bei Versandkartons: Welche Stärke ist die richtige?

Die passende Kartonstärke bei Versandkartons ist entscheidend, damit Produkte sicher beim Empfänger ankommen. Ein Karton darf während des Transports nicht aufreißen, sich stark verformen oder unter dem Gewicht anderer Pakete zusammengedrückt werden. Gleichzeitig sollte eine Verpackung nicht dicker und schwerer sein als notwendig. Zu viel Material erhöht den Platzbedarf, das Verpackungsgewicht und häufig auch die Kosten, ohne dem Produkt automatisch einen zusätzlichen Nutzen zu bringen.

Kurzantwort: Für leichte und kompakte Produkte reicht häufig eine passend dimensionierte einwellige Wellpappe. Für schwere, große oder empfindliche Waren sowie bei hoher Stapelbelastung kann zweiwellige Wellpappe sinnvoll sein. Entscheidend sind jedoch auch Kartongröße, Konstruktion, Transportweg, Gewichtsverteilung und Lagerbedingungen.

Viele Käufer orientieren sich zunächst an der sichtbaren Dicke der Wellpappe. Das ist verständlich, reicht für eine zuverlässige Auswahl aber nicht aus. Zwei Kartons können ähnlich dick aussehen und trotzdem unterschiedlich belastbar sein. Umgekehrt kann eine kompakte, gut konstruierte Verpackung aus hochwertiger einwelliger Wellpappe für ein bestimmtes Produkt besser geeignet sein als ein dickerer, aber zu großer oder ungünstig aufgebauter Karton.

In diesem Beitrag erklären wir, wovon die tatsächliche Stabilität eines Versandkartons abhängt, wann einwellige oder zweiwellige Wellpappe sinnvoll ist und welche Angaben Unternehmen bei der Auswahl einer passenden Verpackung berücksichtigen sollten.

Kartonstärke ist nicht dasselbe wie Belastbarkeit

Mit dem Begriff Kartonstärke ist meistens die Materialdicke der verwendeten Wellpappe gemeint. Sie wird unter anderem von der Wellenart und der Anzahl der Papierlagen beeinflusst. Eine feine E-Welle ist beispielsweise kompakter als eine B- oder C-Welle. Zweiwellige Qualitäten kombinieren zwei gewellte Papierbahnen und besitzen entsprechend mehr Papierlagen.

Für die tatsächliche Belastbarkeit spielen jedoch mehrere Eigenschaften zusammen:

  • Qualität und Flächengewicht der Deckenpapiere

  • Qualität des Wellenpapiers

  • einwelliger oder zweiwelliger Materialaufbau

  • Größe und Proportionen des Kartons

  • Konstruktion beziehungsweise FEFCO-Bauart

  • Verarbeitung der Rill-, Klebe- und Verschlussstellen

  • Gewicht und Gewichtsverteilung des Produkts

  • Lager- und Transportbedingungen

Deshalb ist eine pauschale Aussage wie „drei Millimeter Wellpappe tragen immer ein bestimmtes Gewicht“ nicht zuverlässig. Die gleiche Materialqualität kann in einem kleinen Karton sehr stabil sein, während sie bei einem großen Karton mit langen Seitenflächen schneller nachgibt. Auch ein konzentriertes Gewicht an einer Stelle belastet die Verpackung anders als mehrere gleichmäßig verteilte Produkte.

Welche Faktoren bestimmen die richtige Kartonstärke?

Produktgewicht und Gewichtsverteilung

Das Produktgewicht ist eine der ersten Angaben, die bei der Auswahl eines Versandkartons benötigt werden. Ein leichter Textilartikel stellt andere Anforderungen an die Verpackung als ein Metallteil, eine Flasche oder mehrere dicht gepackte Waren.

Dabei zählt nicht nur das Gesamtgewicht. Ebenso wichtig ist, wie sich dieses Gewicht im Karton verteilt. Ein schweres, kompaktes Bauteil kann punktuell starken Druck auf den Boden oder eine Seitenwand ausüben. Produkte mit scharfen Kanten oder hervorstehenden Teilen benötigen zusätzlichen Schutz, damit sie die Kartonwand nicht von innen beschädigen.

Bei punktuellen Belastungen kann es sinnvoll sein, mit Einlagen, Zwischenlagen oder einer zusätzlichen Bodenverstärkung zu arbeiten. Eine stärkere Wellpappe allein löst das Problem nicht, wenn das Produkt im Inneren ungesichert bleibt.

Kartongröße und Proportionen

Je größer ein Karton ist, desto stärker können sich seine Flächen unter Druck durchbiegen. Besonders lange Seitenwände oder eine große Deckelfläche brauchen eine passende Materialqualität und Konstruktion. Ein kleiner Würfel verhält sich unter Belastung anders als ein langer, flacher Karton aus dem gleichen Material.

Auch unnötiger Leerraum schwächt das gesamte Verpackungssystem. Wenn das Produkt im Karton hin und her rutscht, entstehen bei Stößen zusätzliche Kräfte. Gleichzeitig lassen sich große ungestützte Flächen leichter eindrücken. Eine möglichst passende Kartongröße verbessert deshalb häufig den Produktschutz, ohne dass automatisch eine dickere Wellpappe benötigt wird.

In der Kategorie Faltkartons finden Sie bei KartonPro zahlreiche kompakte Größen für unterschiedliche Produkte. Für klassische Versand- und Lageraufgaben stehen außerdem Faltkartons Standard zur Verfügung.

Empfindlichkeit des Produkts

Ein stabiler Karton schützt nicht jedes Produkt auf die gleiche Weise. Textilien oder robuste Kunststoffteile benötigen häufig weniger Polsterung als Glas, Keramik, Elektronik oder lackierte Oberflächen. Bei empfindlichen Waren muss die Verpackung nicht nur Druck aufnehmen, sondern auch Stöße und Vibrationen reduzieren.

Hier entsteht der Schutz durch das Zusammenspiel aus Karton, passender Größe, Fixierung und Füllmaterial. Die Ware sollte möglichst keinen direkten Kontakt zur Außenwand haben, wenn ein Stoß das Produkt beschädigen könnte. In manchen Fällen ist eine stärkere Wellpappe sinnvoll. In anderen Fällen bringt eine gut angepasste Innenverpackung mehr als eine zusätzliche Papierlage.

Transportweg, Stapelung und Lagerbedingungen

Ein Karton für die interne Lagerung wird meist anders beansprucht als ein Paket, das über ein Versandnetzwerk zum Kunden gelangt. Im Paketversand wird die Verpackung sortiert, über Fördertechnik bewegt, in Fahrzeuge geladen und zusammen mit anderen Sendungen gestapelt. Bei längeren Transportwegen oder mehreren Umschlagpunkten steigt die Zahl der möglichen Belastungen.

Kartons, die auf einer Palette über längere Zeit gestapelt werden, müssen zusätzlich das Gewicht der darüberliegenden Verpackungen aufnehmen. Die unteren Kartons werden dabei am stärksten belastet. Gleichmäßige Stapelung, passende Abmessungen und stabile Kanten sind deshalb besonders wichtig.

Wellpappe reagiert außerdem auf Feuchtigkeit. Bei ungünstigen Lagerbedingungen kann das Material an Steifigkeit verlieren. Kartons sollten trocken gelagert und vor direktem Kontakt mit feuchten Böden oder Wänden geschützt werden.

Einwellige oder zweiwellige Wellpappe?

Die folgende Übersicht dient als praktische Orientierung. Eine endgültige Auswahl sollte immer zum konkreten Produkt und Transportweg passen.

Ausführung Typische Einsatzbereiche Vorteile Grenzen
Einwellige Wellpappe Kleine und mittelgroße Produkte, leichte bis mittelschwere Waren, kompakte Falt- und Stanzkartons, Maxibrief- und Kleinpaketverpackungen Geringes Eigengewicht, kompakte Abmessungen, platzsparende Lagerung, für viele alltägliche Versandaufgaben ausreichend Bei großen Formaten, hoher Stapelbelastung oder schweren Produkten kann die Sicherheitsreserve zu gering sein
Zweiwellige Wellpappe Schwere oder empfindliche Produkte, größere Kartons, lange Transportwege, technische Bauteile, hohe Stapelbelastungen Höhere Stabilität und zusätzliche Schutzreserve, bessere Eignung für große Flächen und anspruchsvolle Transporte Mehr Material, höheres Eigengewicht und größerer Platzbedarf; für kleine leichte Waren häufig überdimensioniert

Die Tabelle ersetzt keine pauschale Belastbarkeitsangabe. Auch zwei Kartons aus einwelliger Wellpappe können sich je nach Papierqualität, Abmessungen und Konstruktion deutlich unterscheiden. Zweiwellig bedeutet deshalb nicht automatisch besser. Das Ziel ist eine Verpackung, die für ihren konkreten Einsatz ausreichend stabil ist, ohne unnötig viel Material zu verwenden.

Mehr über E-, B-, C- sowie zweiwellige Kombinationen erfahren Sie in unserem Beitrag „Wellpappe für Kartons: Welche Wellenart ist die richtige?“.

Welche Rolle spielt die Kartonkonstruktion?

Nicht nur das Material, sondern auch die Bauart beeinflusst die Stabilität. Ein klassischer Faltkarton nach FEFCO 0201 besitzt andere Eigenschaften als eine Stanzverpackung mit Stecklaschen oder ein Karton mit Automatikboden.

Eine Konstruktion kann zusätzliche Materiallagen am Boden, überlappende Klappen oder verstärkte Seitenbereiche erzeugen. Richtig gefaltete Laschen und sauber geschlossene Böden helfen dabei, Kräfte über mehrere Flächen zu verteilen. Ist der Boden dagegen unzureichend verklebt, kann selbst eine starke Wellpappe ihre Aufgabe nicht zuverlässig erfüllen.

Auch die Rilllinien müssen zur Materialstärke passen. Sie ermöglichen das saubere Falten der Wellpappe, ohne die Deckenpapiere unnötig zu beschädigen. Bei individuellen Verpackungen sollten Material und Konstruktion deshalb gemeinsam geplant werden.

Weitere Informationen zu häufig verwendeten Bauarten finden Sie im Artikel „FEFCO Kartons: Codes, Bauarten und die richtige Verpackung“.

Technische Kennwerte statt pauschaler Kilogrammangaben

Bei professionellen Verpackungsprojekten sollte die Auswahl nicht allein nach Gefühl erfolgen. Verschiedene Prüfverfahren bewerten unterschiedliche Eigenschaften der Wellpappe oder der fertigen Verpackung.

Dazu gehören unter anderem:

  • das Flächengewicht der verwendeten Papiere

  • der Kantenstauchwiderstand der Wellpappe

  • der Berst- oder Durchstoßwiderstand

  • die Flachstauchfestigkeit der Welle

  • der Kompressionswiderstand des aufgerichteten Kartons im Box-Compression-Test

  • Fall- und Vibrationsprüfungen der fertigen Verpackung

Ein einzelner Wert beantwortet nicht jede Frage. Der Kantenstauchwiderstand gibt Hinweise darauf, wie die Wellpappe einer Belastung entlang ihrer Kante widersteht. Der Box-Compression-Test prüft dagegen den Kompressionswiderstand des aufgerichteten Kartons und berücksichtigt damit zusätzlich Abmessungen, Konstruktion und Verarbeitung.

Für besonders schwere, empfindliche oder wertvolle Produkte ist ein Praxistest mit Originalware sinnvoll. Dabei sollte die komplette Verpackung geprüft werden: Karton, Inhalt, Einlagen, Füllmaterial und Verschluss. So lässt sich erkennen, ob das Produkt ausreichend fixiert ist und ob der Karton die erwarteten Transport- und Stapelbelastungen aufnehmen kann.

Praktische Auswahl in fünf Schritten

1. Produktdaten erfassen

Notieren Sie Länge, Breite, Höhe und Gewicht des Produkts. Prüfen Sie außerdem, ob das Gewicht gleichmäßig verteilt ist und ob empfindliche oder scharfkantige Bereiche vorhanden sind.

2. Passendes Innenmaß bestimmen

Das Innenmaß des Kartons muss genug Platz für das Produkt und die notwendige Polsterung bieten. Zu viel Leerraum sollte vermieden werden. Bei mehreren Artikeln ist auch deren Anordnung im Karton wichtig.

3. Transport und Lagerung berücksichtigen

Klären Sie, ob der Karton einzeln per Paketdienst, auf einer Palette oder nur intern transportiert wird. Berücksichtigen Sie Lagerdauer, Stapelhöhe und mögliche Feuchtigkeit.

4. Material und Konstruktion gemeinsam auswählen

Prüfen Sie Wellenart, Papierqualität, Kartongröße und FEFCO-Konstruktion gemeinsam. Für manche Produkte reicht eine kompakte einwellige Lösung, während andere eine verstärkte Konstruktion oder zweiwellige Wellpappe benötigen.

5. Verpackung unter realistischen Bedingungen testen

Ein Muster mit Originalprodukt liefert oft die beste Entscheidungshilfe. Kontrollieren Sie nach dem Test besonders Boden, Ecken, Kanten, Verschluss und mögliche Druckstellen am Produkt.

Häufige Fehler bei der Auswahl

  • Pauschale Gewichtsangaben übernehmen: Eine allgemeine Traglast ohne Angaben zu Größe, Konstruktion und Prüfbedingungen bietet keine verlässliche Grundlage.

  • Den Karton zu groß wählen: Ein überdimensionierter Versandkarton besitzt mehr ungestützte Fläche, benötigt zusätzliches Füllmaterial und lässt dem Produkt zu viel Bewegungsraum.

  • Verschluss und Boden unterschätzen: Bodenklappen und Deckel müssen passend geschlossen werden. Für klassische Faltkartons ist ein geeignetes Paketklebeband wichtig.

  • Lagerbedingungen ignorieren: Feuchtigkeit, lange Lagerzeiten und hohe Stapel können die Belastbarkeit beeinflussen.

  • Unnötig starkes Material einsetzen: Überdimensionierung kann Gewicht, Materialverbrauch und Lagerbedarf erhöhen, ohne den Produktschutz im gleichen Maß zu verbessern.

Die Kartonstärke als Teil des gesamten Verpackungssystems

Ein sicherer Versand entsteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Der Karton bildet die äußere Hülle. Innenmaß, Füllmaterial und Einlagen halten die Ware an der richtigen Position. Der Verschluss stabilisiert Boden und Deckel. Erst das Zusammenspiel dieser Elemente entscheidet darüber, wie zuverlässig das Paket den Transport übersteht.

Praktische Hinweise zur Vorbereitung und zum sicheren Verschließen finden Sie in unserem Ratgeber „Versandkartons richtig verpacken“.

Bei wiederkehrenden Versandaufgaben lohnt es sich, den Verpackungsprozess zu dokumentieren. Legen Sie fest, welcher Karton für welches Produkt verwendet wird, wie viel Füllmaterial benötigt wird und wie der Verschluss ausgeführt werden soll. Dadurch entstehen gleichbleibende Ergebnisse, und Mitarbeitende müssen die passende Verpackung nicht bei jeder Bestellung neu auswählen.

Fazit: So stark wie nötig, so passend wie möglich

Die richtige Kartonstärke bei Versandkartons hängt von Produktgewicht, Gewichtsverteilung, Kartongröße, Empfindlichkeit, Konstruktion, Transportweg, Stapelbelastung und Lagerbedingungen ab. Für viele kleine und mittelgroße Produkte ist eine passend dimensionierte einwellige Verpackung ausreichend. Bei schweren, empfindlichen oder großformatigen Waren kann eine stärkere oder zweiwellige Wellpappe sinnvoll sein.

Wichtig ist, Material und Konstruktion als gemeinsames System zu betrachten und bei anspruchsvollen Anwendungen mit dem Originalprodukt zu testen. So entsteht eine Verpackung, die zuverlässig schützt, ohne unnötig viel Material zu verwenden.

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