VerpackungenStanzformen für Kartons werden benötigt, wenn aus Wellpappe nicht nur ein einfacher rechteckiger Zuschnitt, sondern eine genau definierte Verpackung entstehen soll. Das Werkzeug schneidet die Kontur, erzeugt Aussparungen und bereitet die späteren Faltlinien vor. Dadurch lassen sich unter anderem Kartons mit Stecklaschen, Automatikboden, Grifföffnungen oder besonderen Verschlüssen herstellen. Je nach Maschine, Konstruktion und Stückzahl kommen flache oder gebogene Stanzformen zum Einsatz. In diesem Artikel erklären wir, wie diese Werkzeuge aufgebaut sind, worin sich Flach- und Rotationsstanzformen unterscheiden und welche Angaben für eine individuelle Kartonproduktion erforderlich sind.
Was ist eine Stanzform für Kartons?
Eine Stanzform ist ein speziell für eine Verpackung angefertigtes Werkzeug. Ihre Anordnung entspricht dem späteren Zuschnitt des Kartons. In die Werkzeugbasis werden Schneidlinien, Rilllinien und – falls erforderlich – Perforationslinien eingesetzt.
Beim Stanzvorgang wird ein flacher Bogen Wellpappe durch die Maschine geführt. Die Schneidlinien trennen die äußere Kontur und alle notwendigen Öffnungen aus dem Material. Die Rilllinien drücken definierte Faltlinien in die Wellpappe, ohne sie vollständig zu durchtrennen. Dadurch kann die flache Kartonage später an den vorgesehenen Stellen sauber gefaltet und aufgebaut werden.
Mit einer Stanzform können beispielsweise folgende Elemente hergestellt werden:
- Stecklaschen und Verschlusszungen,
- Schlitze und Aussparungen,
- Grifföffnungen,
- Sichtfenster,
- abgerundete Ecken,
- Aufreiß- und Perforationslinien,
- Konturen für Einsätze und Gefache,
- Rilllinien für Boden, Deckel und Seitenwände.
Die Stanzform bestimmt somit die Geometrie des Zuschnitts. Sie bestimmt jedoch nicht automatisch die Qualität oder Tragfähigkeit des Kartons. Dafür sind zusätzlich die Wellpappenqualität, die Wellenart, die Papierzusammensetzung und der Aufbau des Materials entscheidend. Weitere Informationen dazu finden Sie im Artikel „Wellpappe für Kartons: Welche Wellenart ist die richtige?“.
Wann wird eine Stanzform benötigt?
Eine individuelle Stanzform wird vor allem dann benötigt, wenn die Verpackung besondere Konturen oder Funktionen besitzt. Dazu gehören beispielsweise selbstverriegelnde Versandkartons, Faltschachteln, Kartons mit Steckverschluss, Verpackungen mit Griff, Produktträger oder passgenaue Einlagen.
Nicht jede Kartonkonstruktion erfordert zwingend ein eigenes Stanzwerkzeug. Ein klassischer Faltkarton nach FEFCO 0201 kann auf dafür eingerichteten Maschinen häufig mit Rill- und Schlitzaggregaten produziert werden. Sobald jedoch zusätzliche Aussparungen, besondere Laschen, abgerundete Konturen oder eine komplexere Konstruktion vorgesehen sind, kann eine Stanzform notwendig werden.
Ob ein Werkzeug benötigt wird, hängt deshalb nicht nur von den Abmessungen ab. Entscheidend sind:
- die gewünschte Konstruktion,
- die Kontur des Zuschnitts,
- das verwendete Material,
- die Produktionsmaschine,
- die benötigte Stückzahl,
- zusätzliche Funktionen der Verpackung.
Wer lediglich einen klassischen Versandkarton in einer vorhandenen Größe benötigt, findet bei KartonPro eine Auswahl an Faltkartons Standard. Für besondere Größen und Konstruktionen kann eine individuelle Produktion geprüft werden.
Welche Arten von Stanzformen gibt es?
Bei der Verarbeitung von Wellpappe werden vor allem zwei grundlegende Werkzeugarten unterschieden: Flachstanzformen und Rotationsstanzformen. Beide erfüllen ähnliche Aufgaben, arbeiten jedoch nach unterschiedlichen Prinzipien.
Flachstanzformen
Eine Flachstanzform besitzt eine ebene Werkzeugbasis. Die Schneid-, Rill- und Perforationslinien werden nach dem digitalen Konstruktionsplan in diese Platte eingesetzt. Beim Produktionsvorgang liegt der Wellpappenbogen flach zwischen Werkzeug und Gegenfläche. Durch Druck werden Konturen ausgestanzt und Faltlinien eingebracht.
Flachstanzen können für einfache ebenso wie für anspruchsvolle Verpackungsgeometrien eingesetzt werden. Sie ermöglichen eine präzise Verarbeitung und eignen sich für viele Faltschachteln, Versandverpackungen, Einsätze, Displays und Sonderkonstruktionen. Welche Stückzahlen wirtschaftlich sind, hängt von der Maschine, der Größe des Nutzens, dem Material und dem gesamten Produktionsablauf ab.
Typische Merkmale einer Flachstanzform:
- ebene Werkzeugplatte,
- präzise Schneid- und Rillkonturen,
- flexible Anordnung mehrerer Zuschnitte auf einem Bogen,
- geeignet für einfache und komplexe Verpackungsformen,
- Werkzeug wird passend zur jeweiligen Maschine und Konstruktion gefertigt.
Rotationsstanzformen
Eine Rotationsstanzform besitzt keine flache, sondern eine gebogene Werkzeugbasis. Sie besteht bei der Wellpappenverarbeitung meist aus geformten Holzsegmenten, die auf einem großen Stanzzylinder befestigt werden. Schneid-, Rill- und Perforationslinien folgen der Rundung des Werkzeugs.
Während der Produktion wird der Wellpappenbogen über einen Zuführtisch in die Maschine transportiert. Die gebogene Stanzform dreht sich mit dem Zylinder. Ein gegenüberliegender Gegen- oder Ambosszylinder erzeugt den notwendigen Gegendruck. Der Bogen läuft zwischen den beiden Walzen hindurch und wird dabei geschnitten, gerillt und – abhängig von Werkzeug und Anlage – von Abfallteilen befreit.
Moderne Rotationsanlagen können mit Einzugsbändern, Vakuumzuführung, Transporteinheiten und einer automatischen Ablage verbunden sein. Dadurch lassen sich große Wellpappenbögen kontrolliert durch die Linie führen.
Typische Merkmale einer Rotationsstanzform:
- gebogene, an den Stanzzylinder angepasste Werkzeugbasis,
- kontinuierliche Verarbeitung während der Zylinderbewegung,
- geeignet für leistungsfähige Produktionslinien,
- Schneiden, Rillen und Abfallentfernung können in einem Ablauf erfolgen,
- präzise Abstimmung auf Zylinderdurchmesser, Maschinenbreite und Befestigungssystem erforderlich.
Flachstanzform oder Rotationsstanzform: Wo liegt der Unterschied?
Die Wahl zwischen beiden Werkzeugarten kann nicht allein anhand der Kartongröße getroffen werden. Sie hängt von der vorhandenen Maschine, der Konstruktion, dem Material, der Bogenaufteilung und der geplanten Produktionsmenge ab.
Eine Flachstanzform arbeitet in einer ebenen Stanzstation. Eine Rotationsstanzform wird dagegen auf einem Zylinder montiert und bewegt sich während des Stanzvorgangs mit dem Material. Rotationsanlagen sind besonders auf einen kontinuierlichen Materialfluss und hohe Produktionsleistung ausgelegt. Flachstanzanlagen bieten je nach Anwendung Vorteile bei komplexen Geometrien und unterschiedlichen Produktionsanforderungen.
Für den Kunden ist nicht entscheidend, selbst eine der beiden Technologien auszuwählen. Wichtiger ist eine vollständige Anfrage. Der Hersteller prüft anschließend, welches Werkzeug und welches Produktionsverfahren für Konstruktion, Material und Stückzahl geeignet sind.
Wie ist eine Stanzform aufgebaut?
Obwohl jedes Werkzeug individuell geplant wird, bestehen viele Stanzformen aus mehreren typischen Komponenten.
Werkzeugbasis
Die Basis trägt alle funktionalen Elemente der Stanzform. Bei Flachstanzformen ist sie eben. Bei Rotationswerkzeugen besteht sie aus gekrümmten Segmenten, die passend zum Durchmesser des Stanzzylinders hergestellt werden. Für Wellpappe wird häufig eine stabile Mehrschichtholzplatte verwendet.
Schneidlinien
Schneidlinien sind geschärfte Stahlbänder. Sie trennen die Außenkontur, Schlitze, Öffnungen und andere Ausschnitte aus dem Wellpappenbogen. Ihre Anordnung entspricht exakt dem späteren Zuschnitt.
Rilllinien
Rilllinien schneiden das Material nicht vollständig. Sie erzeugen definierte Faltbereiche, damit sich Boden, Deckel, Seitenwände und Laschen später kontrolliert umlegen lassen. Rillung, Materialstärke und Wellenrichtung müssen aufeinander abgestimmt sein. Eine ungeeignete Rillung kann zu unsauberen Faltkanten oder beschädigten Deckpapieren führen.
Perforationslinien
Perforationslinien erzeugen eine Folge aus Schnitt und Steg. Sie können beispielsweise für Aufreißöffnungen oder abtrennbare Verpackungsteile eingesetzt werden. Die genaue Ausführung hängt von der gewünschten Funktion und vom verwendeten Material ab.
Auswerfgummi
Elastische Gummielemente liegen neben ausgewählten Schneidlinien. Sie halten den Bogen während des Stanzens kontrolliert und helfen anschließend dabei, das Material wieder von den Schneidlinien zu lösen. Bei Rotationswerkzeugen unterstützt eine passend geplante Gummierung außerdem einen stabilen Produktionsablauf und die Entfernung bestimmter Abfallteile.
Befestigungs- und Positionierungselemente
Rotationswerkzeuge besitzen Bohrungen und Befestigungspunkte, mit denen die gebogenen Segmente exakt am Stanzzylinder montiert werden. Position und Rundung müssen zur jeweiligen Maschine passen. Deshalb kann eine Rotationsstanzform nicht beliebig auf jedem anderen Stanzzylinder eingesetzt werden.
Wie entsteht eine individuelle Stanzform?
Die Herstellung beginnt nicht an der Stanzmaschine, sondern mit der Verpackungskonstruktion. Der Ablauf kann je nach Werkzeughersteller und Produktionsbetrieb variieren, folgt jedoch meist diesen grundlegenden Schritten:
- Verpackung konstruieren: Aus Innenmaß, Produktanforderungen und gewünschter Funktion wird ein digitaler Zuschnitt entwickelt.
- Material und Maschine berücksichtigen: Wellpappenstärke, Wellenrichtung, Bogenformat und Produktionsverfahren werden festgelegt.
- Werkzeugdaten erstellen: Schneid-, Rill- und Perforationslinien werden eindeutig im Datensatz gekennzeichnet.
- Werkzeugbasis bearbeiten: Die erforderlichen Linienverläufe werden präzise in die ebene oder gebogene Werkzeugbasis eingebracht.
- Stahlbänder einsetzen: Schneid-, Rill- und Perforationslinien werden geformt und in der Werkzeugbasis befestigt.
- Gummierung ergänzen: Passende Auswerfelemente werden entlang der Konturen angebracht.
- Werkzeug prüfen: Maße, Linien, Befestigung und Funktion werden vor der Serienproduktion kontrolliert.
Erst danach kann die Stanzform in der vorgesehenen Maschine eingerichtet und für die Herstellung der Kartonzuschnitte verwendet werden.
Wovon hängen die Kosten einer Stanzform ab?
Für eine Stanzform gibt es keinen einheitlichen Festpreis. Der Werkzeugpreis wird individuell berechnet und normalerweise getrennt vom Stückpreis der Kartons ausgewiesen.
Wichtige Kostenfaktoren sind:
- Abmessungen des Werkzeugs,
- flache oder rotative Ausführung,
- Länge und Anzahl der Schneid- und Rilllinien,
- Komplexität der Verpackungskontur,
- Anzahl der Zuschnitte auf einem Produktionsbogen,
- Art und Umfang der Gummierung,
- Perforationen, Fenster oder besondere Öffnungen,
- Befestigungssystem und Anforderungen der Produktionsmaschine,
- notwendige Zusatzwerkzeuge für Abfallentfernung oder Ablage.
Ein größerer Karton führt nicht automatisch immer zum teuersten Werkzeug. Eine kleinere, aber sehr komplexe Verpackung kann durch viele Konturen, enge Radien oder zahlreiche Aussparungen ebenfalls einen höheren Werkzeugaufwand verursachen.
Kann eine Stanzform für Nachbestellungen wiederverwendet werden?
Eine vorhandene Stanzform kann in vielen Fällen für einen unveränderten Folgeauftrag erneut eingesetzt werden. Voraussetzung ist, dass Konstruktion, Abmessungen, Materialanforderungen und Produktionsmaschine weiterhin passen und das Werkzeug technisch einwandfrei ist.
Wird die Länge, Breite oder Höhe des Kartons geändert, verändert sich normalerweise auch der flache Zuschnitt. Dann ist häufig eine neue Stanzform erforderlich. Auch zusätzliche Grifföffnungen, andere Verschlusslaschen oder veränderte Perforationen können ein neues oder angepasstes Werkzeug notwendig machen.
Ob und wie lange ein Werkzeug gelagert wird, sollte vor der Bestellung mit dem Hersteller geklärt werden. Auch die mögliche Wiederverwendung sollte Bestandteil der Angebotsabstimmung sein.
Wie lange hält eine Stanzform?
Die Lebensdauer lässt sich nicht pauschal in einer bestimmten Anzahl von Stanzungen angeben. Sie hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Qualität und Ausführung des Werkzeugs,
- verwendete Wellpappe,
- Materialstärke und Feuchtigkeit,
- Maschineneinstellung und Stanzdruck,
- Produktionsgeschwindigkeit,
- Komplexität der Kontur,
- Wartung, Reinigung und Lagerung.
Schneidlinien, Gummierung und Befestigungen sollten regelmäßig kontrolliert werden. Verschleiß kann zu unsauberen Schnittkanten, unvollständig entfernten Abfallteilen oder Problemen beim Falten führen.
Stanzform und Druck sind zwei getrennte Arbeitsschritte
Die Stanzform erzeugt Kontur, Ausschnitte und Faltlinien. Ein Logo oder Motiv wird dadurch nicht auf den Karton übertragen. Für bedruckte Verpackungen ist ein zusätzlicher Druckprozess erforderlich.
Bei KartonPro ist beispielsweise Siebdruck mit bis zu drei Farben möglich. Ob Druck vor oder nach einem anderen Verarbeitungsschritt erfolgt, hängt von Material, Motiv, Konstruktion und Produktionsablauf ab. Weitere Informationen finden Sie im Artikel „Kartons mit Logo bedrucken lassen“.
Welche Angaben benötigt KartonPro für ein Angebot?
Damit geprüft werden kann, welche Konstruktion und welches Werkzeug geeignet sind, sollten Anfragen möglichst vollständig sein. Benötigt werden insbesondere:
- gewünschtes Innenmaß in Länge × Breite × Höhe,
- Abmessungen und Gewicht des Produkts,
- benötigte Stückzahl,
- gewünschte Kartonkonstruktion oder FEFCO-Code, falls bekannt,
- braune oder weiße Wellpappe,
- Anforderungen an Stabilität und Belastbarkeit,
- gewünschte Grifföffnungen, Fenster oder Perforationen,
- Angaben zu Druckmotiv und Anzahl der Farben,
- geplanter Verwendungszweck,
- vorhandenes Muster oder eine Skizze, falls verfügbar.
Wenn der passende FEFCO-Code nicht bekannt ist, reicht zunächst eine genaue Beschreibung des Produkts und der gewünschten Funktion. Beispiele für häufig verwendete Größen finden Sie im Artikel „Beliebte Größen für Faltkartons Standard“.
Bei KartonPro liegt die Mindestmenge für eine individuelle Produktion in der Regel bei 500 Stück. Die genaue Mindestmenge kann von Format, Konstruktion, Material und Produktionsverfahren abhängen.
Warum ein Muster vor der Serienproduktion sinnvoll sein kann
Bei einer neuen Konstruktion sollte nicht nur geprüft werden, ob die Maße rechnerisch stimmen. Entscheidend ist, ob das reale Produkt gut eingesetzt werden kann, ob alle Laschen richtig schließen und ob ausreichend Platz für Polsterung oder Einlagen vorhanden ist.
Ein Muster oder Prototyp kann helfen, folgende Punkte zu kontrollieren:
- Passform des Produkts,
- Aufbau und Handhabung des Kartons,
- Position von Rilllinien und Verschlüssen,
- notwendiger Schutz während des Versands,
- Wirkung von Griffen, Fenstern oder Perforationen,
- Position eines späteren Druckmotivs.
Änderungen sollten möglichst vor der endgültigen Werkzeugfreigabe erfolgen. Wird der Zuschnitt nach Herstellung der Stanzform wesentlich verändert, können zusätzliche Werkzeugkosten entstehen.
Fazit: Die Stanzform verbindet Konstruktion und Serienproduktion
Stanzformen für Kartons übertragen eine digitale Verpackungskonstruktion auf den realen Wellpappenzuschnitt. Schneidlinien erzeugen die Kontur, Rilllinien bereiten die Faltung vor und Gummielemente unterstützen einen kontrollierten Produktionsablauf. Flachstanzformen arbeiten in einer ebenen Stanzstation, während gebogene Rotationsstanzformen auf einem Stanzzylinder befestigt werden.
Welche Werkzeugart geeignet ist, hängt von Verpackung, Material, Maschine und Stückzahl ab. Für ein zuverlässiges Angebot werden deshalb nicht nur die Kartonmaße, sondern auch Produktgewicht, Verwendungszweck, gewünschte Funktionen und Bestellmenge benötigt.
Sie benötigen eine Verpackung in einer besonderen Größe oder mit einer individuellen Konstruktion? Senden Sie KartonPro die gewünschten Innenmaße, das Produktgewicht, die benötigte Stückzahl und – falls vorhanden – eine Skizze oder ein Muster. Wir prüfen Ihre Angaben und erstellen Ihnen ein passendes Angebot. Entdecken Sie außerdem unsere Kartongrößen und Verpackungslösungen.